TomTom Trafficindex: Berlin ist nun auch Stauhauptstadt

13
TomTom Trafficindex: Berlin ist nun auch Stauhauptstadt




Autoverkehr an der Kreuzung Kurfürstendamm und Bornimer Straße: Berlin war 2020 Deutschlands Stauhauptstadt


Autoverkehr an der Kreuzung Kurfürstendamm und Bornimer Straße: Berlin battle 2020 Deutschlands Stauhauptstadt


Foto: Stefan Zeitz / imago photos

In Stau-Rankings gibt es üblicherweise eine klare Tendenz: Autoschlangen werden länger, und die Zahl der Minuten, die Fahrerinnen und Fahrer im Stillstand verlieren, steigt. 2020 sank jedoch erstmals das Stauniveau in allen 26 deutschen Städten, die der Kartenspezialist TomTom regelmäßig untersucht.

Das Stauniveau, das den Zeitverlust für Autofahrer wegen Verkehrsbehinderungen ausdrückt, ging jedoch in sehr unterschiedlichem Maße zurück. Während es sich in Bonn und Bremen im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozentpunkte reduzierte, scramble der Rückgang in Leipzig, Bielefeld und Wuppertal bei nur einem Prozentpunkt. Liegt das Stauniveau beispielsweise bei 36 Prozent, dauert eine Fahrt im Schnitt 36 Prozent länger, als sie ohne Stau dauern würde.

Auch an der Spitze gab es 2020 eine Veränderung, dort verdrängte Berlin, das im Vorjahr noch auf Rang zwei scramble, Hamburg vom ersten Platz. Den dritten Platz belegt die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden.

Insgesamt bildet der Trafficindex von TomTom das Verkehrgeschehen in 416 Städten weltweit ab. Immerhin 387 Städte verzeichneten 2020 einen deutlichen Rückgang des Zeitverlusts während der Hauptverkehrszeiten – um durchschnittlich 28 Prozent.

Die stärksten Rückgänge gab es während des Berufsverkehrs am Morgen und Abend. So sank der Zeitverlust in den Morgenstunden in Düsseldorf um 16 Prozentpunkte, während er in Stuttgart lediglich um zehn Prozentpunkte zurückging. Dieser Unterschied hat dem Kartenspezialisten zufolge auch mit den unterschiedlichen Arbeitgebern in beiden Städten zu tun. Firmen aus dem Bereich der Finanzdienstleistungen wie in Düsseldorf ermöglichen häufiger Homeoffice als Industrie und Gewerbe in Stuttgart. Auch in Frankfurt und Umgebung spielt der Heimarbeitsplatz offenbar eine besonders große Rolle.

Trotz der mitunter starken Rückgänge könne man nicht von einer Trendwende sprechen, warnte TomTom-Verkehrsexperte Ralf-Peter Schäfer: »Wir werden in den nächsten Monaten erleben, dass das Verkehrsaufkommen wieder zunehmen wird. Menschen werden wieder in die Arbeit fahren und zu alten Routinen zurückkehren«. Deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt für Stadtplaner, Politiker und Arbeitgeber zu entscheiden, wie Straßen in Zukunft zu entlasten sind.

Der Index basiert auf anonymisierten GPS-Daten aus der Verkehrsdatenbank von TomTom, aus denen die Fahrzeiten ermittelt werden. Auch die Anzahl der Messungen wird dem Anbieter zufolge für den Index berücksichtigt, damit verkehrsreiche Straßen mehr Einfluss auf das Ergebnis haben als kaum befahrene Routen.

Icon: Der Spiegel