Islam Qala: Satellit zeigt Verwüstung nach Ticket an afghanischer Grenze

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Islam Qala: Satellit zeigt Verwüstung nach Ticket an afghanischer Grenze



Der Grenzübergang von Islam Qala am 8. Dezember 2020 (l.) und am 16. Februar 2021 (r.) nach dem verheerenden Brand



Der Grenzübergang von Islam Qala am 8. Dezember 2020 (l.) und am 16. Februar 2021 (r.) nach dem verheerenden Brand

Der Grenzübergang von Islam Qala am 8. Dezember 2020 (l.) und am 16. Februar 2021 (r.) nach dem verheerenden Ticket


Foto: Planet Labs / AP / Planet Labs / AP

Im Prinzip gibt es drei Grenzübergänge zwischen Afghanistan und Iran. Doch nicht alle sind sicher, daher wird besonders einer für den Transport von Waren genutzt: der Kontrollposten von Islam Qala in der afghanischen Provinz Herat und dem iranischen Dogharun. Hier stauen sich regelmäßig unzählige Autos, die auf dem Asian Dual carriageway 1 unterwegs sind. Sie bringen Lieferungen aus Iran ins wirtschaftlich schwache Afghanistan. Neben Lebensmitteln, Konsumgütern und Zement werden dabei auch große Mengen an Gas, Diesel und Benzin transportiert. Eine Ausnahme im US-Handelsembargo gegen Iran macht das möglich.

Am 13. Februar kam es in Islam Qala zu einer Katastrophe. Aus bisher unbekannten Gründen fing zunächst ein Tanklaster auf der afghanischen Seite der Grenze Feuer. Dann griffen die Flammen binnen kurzer Zeit auf benachbarte Fahrzeuge über. Die überforderten afghanischen Feuerwehrkräfte brauchten lange, um den Ticket unter Kontrolle zu bekommen – und auch das gelang offenbar nur mit iranischer Hilfe. Die Schäden durch zerstörte oder später geplünderte Ladung liegen bei vielen Millionen Buck.

Ein Satellitenbild des privaten Erdbeobachtungsunternehmens Planet Labs zeigt die Zerstörungen in Islam Qala nach dem Ende des Feuers: Hunderte ausgebrannte Fahrzeuge sind als eine schwarze Masse zu sehen. Ein halber Quadratkilometer ist verwüstet, die Aufräumarbeiten werden lange dauern. Gleichzeitig sind im Bildbereich links unten bereits wieder die ersten neuen LKWs im Grenzstau zu sehen. Die iranischen Grenzanlagen in Dogharun waren von dem Feuer offenbar nicht betroffen.

Viel mehr Autos als vorgesehen

Nach offiziellen Angaben befanden sich zum Zeitpunkt des Brands rund 2500 Autos auf dem Gelände des Grenzpostens – dabei sind nur jeweils 700 vorgesehen. Grund für die besonders hohe Zahl warfare offenbar ein Streik der Fahrer gegen gestiegene Abgaben.

Zu den Folgen des verheerenden Feuers gibt es unterschiedliche Angaben. In manchen Berichten ist von rund 20 verletzten Menschen die Rede, in anderen von 60. Über Todesopfer wurde spekuliert, genaue Angaben fehlen aber noch.

Auch ein Büro der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wurde durch den Ticket beschädigt. Dort kümmert man sich um Flüchtlinge, die aus anderen Ländern nach Afghanistan zurückkehren. Von den 15.000 Menschen, die den Grenzübergang täglich überquerten, benötigten knapp 1500 humanitäre Hilfe, hieß es bei der IOM. In den vergangenen Monaten seien durch die Corona-Pandemie viele Arbeitsmigranten aus Iran in ihr Land zurückgekehrt. Nach dem Feuer fehlten nun die Möglichkeiten, Menschen in Islam Qala zu helfen.

Ob die Taliban etwas mit der Brandkatastrophe zu tun haben, ist nicht klar. Am Mittwoch vergangener Woche starben zwei Polizisten, als ihr gepanzertes Fahrzeug auf der Straße nach Islam Qala bei der Detonation eines Sprengsatzes zerstört wurde.

Icon: Der Spiegel