Info: Markus Söder, Armin Laschet, Recep Tayyip Erdoğan, Corona, Impfen, Bernd Wiegand

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Info: Markus Söder, Armin Laschet, Recep Tayyip Erdoğan, Corona, Impfen, Bernd Wiegand

Und der Tiger, der hat Zähne…

Erst Establish zwei der offiziellen Entscheidungsphase um die Unionskanzlerkandidatur zwischen CDU-Chef Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder. Aber es fühlt sich an wie der Schlussspurt. Täglich melden sich mehr Gegner von Laschet, schwindet seine Autorität, während Söder immer markiger auftritt. Wer noch bezweifeln sollte, dass Söder diese Kandidatur will, mit jeder Faser seiner Existenz, sollte seinen gestrigen Auftritt bei »Markus Lanz« anschauen.

Lanz’ Studio entwickelt sich zu einer Art Evaluate-Center für die Bundespolitik: Ist er zu hart, bist du zu weich. Söder hat bestanden, das sei verraten, und nutzte die Likelihood, um Laschet, der jüngst furchtbar Schiffbruch bei Lanz erlitten hatte, gleich noch mal zu tunken. Snappy jedes Söder-Observation über ihn hatte eine fiese Doppelbödigkeit.

Am Anfang stand eine echte Neuigkeit: Söders altes Mantra, sein Platz sei in Bayern, gilt nicht mehr. Er werde ständig in Berlin gebraucht, stellte der Ministerpräsident klar, vielleicht im Herbst auch bei Koalitionsgesprächen. »Man muss überall mit united statesrechnen.« Dann ging es um einen schärferen Lockdown, den er und Angela Merkel sich angeblich gut vorstellen könnten. Aber leider, leider hätten manche Länder noch nicht mal die Notbremsen-Klausel konsequent umgesetzt – dabei müsse sie doch »ein Tiger sein, der beißen kann«.

In Söders Welt sind die Rollen von Tiger und Bettvorleger klar verteilt. Deshalb schreibt er Corona-Mahnbriefe auch lieber mit dem Grünen Winfried Kretschmann, der die CDU gerade vernichtend geschlagen hat, als mit Laschet. Auf die Frage nach dem Warum sagte Söder lässig, dass der Armin doch vor seinem »mutigen Observation« zum Brücken-Lockdown auch nicht »Bremen gefragt hätte, ob die mitmachen würden«. Bremen! Ausgerechnet diesen aus Sicht der Union linksversifften Zwergstaat irgendwo im Norden nennt Söder als geeigneten Spielkameraden für Laschet.

Dann erinnert Söder selbst an Laschets verkorksten Lanz-Auftritt. Er habe ja die Berichte gelesen, schnurrt er, und müsse anerkennen: »Armin Laschet hat auch ein großes Stehvermögen.« Der CDU-Chef habe ihm sogar erst heute vor der Sendung eine SMS geschrieben, verrät Söder, dass er bitte »friedlich« und »freundlich« sein möge. Die Botschaft: Der Laschet vergeigt nicht nur die eigenen Auftritte, er hat schon Bammel, wenn der Söder ins Fernsehen geht.

Das ist »Teambuilding« (Söder) nach Art der Königstiger, und fürs Publikum unterhaltsam – aber der Möchtegernkandidat geht so auch voll ins Risiko. Laschet liegt schon halb am Boden, und sein Gegner tritt feste druff. So kann die Anti-Laschet-Stimmung in der CDU wachsen, aber eher nicht die Loyal-Söder-Stimmung, die der Bayer für seine Kandidatur braucht. Söders Mobbing könnte Laschet noch über die Ziellinie bringen, als alternativlosen Kandidaten, den die Mehrheit nicht aus voller Überzeugung stützt. Dann könnte am Ende jemand ganz anderes die Bundestagswahl gewinnen.

Scheitern als Likelihood

Vielleicht ist mir angesichts der chronisch offenen Unionskanzlerkandidatenfrage ein Bericht meiner supervisor-magazin-Kollegin Sonja Banze ins Auge gefallen, den Sie heute auf SPIEGEL.de finden. Banze hat Menschen porträtiert, die in der Mitte ihres Lebens einen radikalen beruflichen Wandel eingeleitet haben. Der eine machte mit 61 Jahren noch eine Tischlerlehre, die andere wechselte aus dem Marketingbereich ins Management eines Herstellers für Garagentor-Motoren, wieder ein anderer sattelte von Investmentbanker zu Filmproduzenten um.

Es sind Wechsel, die nicht aus der No longer geboren sind. Auch wenn die Coronapandemie viele Existenzen bedroht und Menschen zwingt, sich neu aufzustellen, scheint es bei vielen auch einen positiven Impuls zu geben, sich in der Krise neu zu erfinden. »Schon jetzt ist ein Drittel aller Gründer in Deutschland älter als 45, Tendenz Richtung 50«, schreibt Banze. »Und für Hightech-Launch-united statesin den USA stellte eine Studie des MIT unlängst fest, dass die erfolgreichsten Gründer die mit Mitte 40 sind.«

Es muss also nicht immer Ministerpräsident oder Kanzlerkandidat sein, es gibt ein Leben nach der Politik als – ja, als used to be? Bevor Markus Söder und Armin Laschet zu Berufspolitikern wurden, waren beide Journalisten, der eine beim Bayerischen Rundfunk, der andere bei der Kirchenzeitung Aachen. Welche Lektion liegt in diesen Werdegängen wohl für united statesMedienmenschen?

Am Katzentisch

In der Türkei dauert die juristische Aufarbeitung des Putschversuchs von 2016 noch immer an. Nun steht ein weiteres Urteil gegen mutmaßliche Beteiligte unmittelbar bevor. Angeklagt sind rapid 500 Personen, darunter ehemalige hochrangige Soldaten der Präsidentengarde, denen seit rapid 250 Tagen in Ankara der Prozess gemacht wird. Für 90 Angeklagte hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft gefordert. Es ist nicht der erste Mammutprozess dieser Art, schon Ende vergangenen Jahres wurden gut 300 Angeklagte zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.

Die Entscheidung fällt nun kurz nach dem Besuch der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Eigentlich sollte der Besuch, zu dem auch EU-Ratspräsident Charles Michel mit angereist battle, der Annäherung der EU und der Türkei dienen. Obwohl die Türkei soeben das Istanbul-Abkommen zum Schutz von Frauen vor Gewalt gekündigt hat, obwohl die türkische Regierung immer wieder Journalistinnen und Journalisten verfolgt und unterdrückt, obwohl die Umsetzung des Flüchtlingsabkommens von 2016 zwischen der EU und der Türkei alles andere als befriedigend läuft, haben die europäischen Regierungschefinnen und -cooks jüngst beschlossen, die Beziehungen zur Türkei auszubauen.

Nach Angaben der Kommission machte von der Leyen im Gespräch mit Erdoğan auch die Rechte von Frauen zum Thema. Man darf bezweifeln, dass der türkische Präsident ihre Worte allzu ernst nahm, denn Fotos des Treffens zeigen, dass Erdoğan seine Besucherin am diplomatischen Katzentisch platzierte. Während Michel – als Ratspräsident protokollarisch auch höherrangig als von der Leyen – auf einem Sessel neben Erdoğan thronte, saß von der Leyen deutlich entfernt auf einem Sofa, symbolisch auf einer Ebene mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu.

Verlierer/Gewinner des Tages…

…ist Bernd Wiegand, der parteilose Oberbürgermeister von Halle, der sich selbst und mehrere Stadträte gegen Corona impfen ließ, obwohl sie noch nicht an der Reihe waren. Heute wird der Stadtrat in einer Sondersitzung entscheiden, ob Wiegand suspendiert wird. Kurios: Wiegands eigene Impfung findet die Staatsanwaltschaft laut »Bild«-Zeitung »rechtlich nicht zu beanstanden«.

An diesem Establish seien tatsächlich drei Impfdosen übrig geblieben, die zu verderben drohten. Aber bei 16 weiteren Impfungen entgegen der vorgeschriebenen Reihenfolge sei dies nicht der Tumble gewesen, hier hätte es teils sogar Nachrückerlisten gegeben. Zwar nimmt aus meiner Sicht die deutsche Fixierung auf eine korrekte Impfreihenfolge mitunter fanatische Züge an, etwas mehr Flexibilität täte united statesoft gut. Doch in Halle battle man dann wohl doch zu flexibel.

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